Interview: „Einfach anfangen und unterwegs besser werden“

The Generation Forest: Gerade mal mit Mitte 20 warst du Mitgründer von Viva con Agua, heute eine international bekannte NGO. Früh hast du dich auch bei The Generation Forest engagiert, aktuell unterstützt du mit Impact Peers Organisationen dabei, ihre Geschäftsmodelle nachhaltig und erfolgreich zu gestalten. Sinnstiftende Arbeit zieht sich wie ein roter Faden durch deinen Lebenslauf. Wie kam es dazu?

Tobias Rau:
Ich komme aus einer Großfamilie mit sechs jüngeren Geschwistern. Gemeinschaft und Miteinander waren bei uns immer präsent. Schon früh habe ich mich mit gesellschaftlichen Themen beschäftigt und war oft unzufrieden mit dem Status quo. Dieses Bedürfnis, Dinge zu hinterfragen, anders zu machen und gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen, hat mich schon immer begeistert. Prägend war für mich auch mein Zivildienst in Nicaragua, den ich in einem Heim für ehemalige Straßen- und Waisenkinder gemacht habe. Diese Erfahrung hat vermutlich den richtigen Impuls zur richtigen Zeit gegeben mich letztlich auf meinen weiteren Weg gebracht.

Was hat dich damals überzeugt, Mitglied bei The Generation Forest zu werden?

Zum einen mein unvermeidbarer CO₂-Fußabdruck, den ich kompensieren wollte. Zum anderen meine Liebe zu Wäldern. Und die Idee, als Community gemeinsam etwas zu bewegen, fand ich sehr überzeugend. Eine persönliche Verbindung zu Lateinamerika kam ebenfalls dazu.

Dein aktuelles Projekt heißt Impact Peers. Auch hier geht es um Wirkung, Zusammenarbeit und Veränderung. Was steckt hinter dem Konzept – und warum braucht es Impact Peers gerade jetzt?

Das Konzept ist eigentlich ganz einfach: Wir bieten Gründer*innen sowie gemeinwohlorientierten Organisationen und Unternehmen kostenfreie Beratung und Unterstützung an, damit sie ihre Mission und ihren Impact bestmöglich umsetzen können. In über 20 kompakten, praxisnahen Workshops von jeweils 1,5 Stunden geht es um Themen wie Produkt- und Marktstrategie, Finanzierung, Wirkungsmessung oder Kooperationen – unter anderem mit Fokus auf Lateinamerika.

Impact Peers braucht es vielleicht nur indirekt. Was es aber mehr denn je braucht, sind Unternehmen, die aktiv an Lösungen für soziale und ökologische Herausforderungen mitarbeiten. Gesellschaftlicher Mehrwert und wirtschaftlicher Erfolg dürfen sich nicht ausschließen – genau dabei wollen wir unterstützen.

Wie genau können Organisationen teilnehmen?

Ganz unkompliziert: einfach auf impact-peers.de gehen und sich unter „Programm“ zu einem oder mehreren Workshops anmelden.

Die weltpolitische Lage ist von Krisen geprägt. Wie erlebst du diese Situation aktuell für Organisationen mit gesellschaftlichem Anspruch?

Ich erlebe das sehr ambivalent. Einerseits haben es diese Organisationen aktuell deutlich schwerer. Andererseits sind positive Beispiele und echte Alternativen gerade jetzt umso wichtiger – auch mit Blick auf die Zeit danach. Die Art, wie wir wirtschaften und konsumieren, kann langfristig nicht funktionieren. Organisationen, die heute neue Wege gehen und Erfahrungen sammeln, könnten davon in Zukunft profitieren.

Viva con Agua ist heute international aktiv. Gibt es aus deiner Erfahrung so etwas wie ein Erfolgsrezept für das Wachstum von Sozialunternehmen?

Freundschaft und echte menschliche Verbindungen zwischen Gleichgesinnten. Projekte – vor allem, wenn sie ehrenamtlich getragen sind – müssen Spaß machen. Dazu kommt eine Haltung der kontinuierlichen Verbesserung. Nicht darauf warten, bis die perfekte Lösung vorliegt – sonst passiert am Ende gar nichts. Lieber anfangen, loslaufen und unterwegs immer besser werden. Im Grunde ist es wie bei Sport oder Musik: Jeder Profi hat klein angefangen und sehr, sehr viel geübt.

Gab es bei Viva con Agua auch schwere Zeiten oder Momente des Zweifelns?

Ja, natürlich. Die Covid-Zeit war nicht einfach, und auch aktuell spürt Viva con Agua, dass der gemeinwohlorientierte Sektor unter Druck steht. Und ja, ich habe gezweifelt – und zweifle auch heute noch immer mal wieder. Was wir mit Viva con Agua, The Generation Forest, Impact Peers und vielen anderen Initiativen tun, ist vielleicht nicht immer die optimale Lösung. Aber es ist immer noch besser, als es nicht zu versuchen oder zu resignieren. Das hilft mir dranzubleiben – genauso wie die vielen kleinen Momente, die zeigen, dass unsere Arbeit für einzelne Menschen einen echten Unterschied macht.

Welche anderen Organisationen oder Unternehmen leisten aus deiner Sicht gerade besonders gute Arbeit?

Climate Farmers, Sekko Soziale, Hanseatic Help, StrassenBlues, GoBanyo – ich könnte die Liste stundenlang fortsetzen. Das Schöne ist: Man muss nur hinschauen. Es gibt unzählige kleinere, weniger bekannte Initiativen, die für die Menschen, die sie erreichen, oft lebensverändernd und unglaublich wertvoll sind.

Was würdest du Menschen raten, die heute selbst ein wirkungsorientiertes Projekt starten wollen?

Such dir ein Themenfeld, für das du langfristig brennst und in dem du mit Freude arbeiten kannst. Such dir Partner:innen und Mitstreiter:innen. Mach dir bewusst, dass alles, was du tust – und sei es noch so klein – für die Menschen, die du erreichst, einen Unterschied machen kann. Praxis vor Theorie. Macher-Energie vor Perfektionismus. Und dann: einfach loslegen. Offen bleiben für Feedback – vor allem von den Menschen, für die dein Projekt gedacht ist.

 

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